Heidelberg mal anders

Veröffentlicht am 12. Juni 2026 um 08:43

Der Donnerstag war verregnet. Gegen Mittag gab es einige sonnige Abschnitte. Ich ging das Risiko ein und fuhr nach Heidelberg. Die üblichen Touristenattraktionen waren nicht mein Ziel. Ich wollte wandern und dabei Teile des Philosophenwegs gehen. In der Altstadt parkte ich in einem Parkhaus und kehrte erst einmal in meinem Lieblingslokal, dem Hotelrestaurant "Goldenen Falke" ein.

Das Wetter schien sich zu halten. So ging ich frisch gestärkt über die historische Brücke zum anderen Ufer des Neckar. Hier nutzte ich den Schlangenweg um die ersten Höhenmeter bis zur Straße "Philosophenweg" zu gehen. Der Schlangenweg in Heidelberg ist ein historischer, steil ansteigender Fußweg, der das Neckarufer von der alten Brücke mit dem Philosophenweg verbindet. Seinen Namen erhielt er wegen des geschlängelten Verlaufs. Der schweißtreibende Aufstieg erforderte einige Mühen.

Belohnt wurde ich mit der besten Aussicht auf die Altstadt, der alten Brücke und dem Schloß. Hier verließ ich den Philosophenweg wieder, denn ich wollte noch höher wandern. Historische Sehenswürdigkeiten,  zum Beispiel von den Kelten, waren das Tagesziel.

Den ersten Stopp machte ich an der Hölderlin Anlage. Dies ist ein kleiner Park. Auf einem Gedenkstein ist die erste Strophe seiner Ode an Heidelberg eingemeisselt. 

Von dort aus ging es weiter steil nach oben. Es waren unbefestigte Waldwege vorhanden. Zwischendurch gab es immer wieder kleinere Schauer, wodurch der Weg auch noch rutschig wurde. Nach etwa einer Stunde hatte ich mein Ziel erreicht, den Heiligenberg mit der Thingstätte.

Die Thingstätte ist ein monumentales Freilichttheater auf dem Heiligenberg. Zwischen 1934 und 1935 erbaut, sollte sie als Thingplatz für die nationalsozialistische „Blut- und Boden“ - Propaganda dienen. Heute ist die Anlage ein Kulturdenkmal und ein beliebtes Ausflugsziel für Wanderer.

Die gesamte Umgebung bot noch mehr. So fand ich im Umfeld Hinweise auf Ausgrabubgen und Bodenfunde aus der Keltenzeit. Für den Abstieg wählte ich einen anderen und leichteren Weg. Ich nutzte die asphaltierte Straße vom Wanderparkplatz zurück in die Stadt. Durch Zufall entdeckte ich noch eine Klosterruine und das Heidenloch.

Die Ruine des Stephansklosters ist frei zugänglich. Ein direkt nebenan stehender Aussichtsturm wurde mit Steinen der Ruine gebaut. Die Geschichte des Klosters begann 1090. Das Kloster wurde bis zum 16ten Jahrhundert unterhalten und dann aufgegeben. Mit der Zeit verfiel es bis zu seinem heutigen Zustand. 

In unmittelbarer Nähe zur Klosterruine befindet sich das Heidenloch. Das ist ein 56 Meter tiefer Brunnen, der im 12ten Jahrhundert angelegt wurde, um das Kloster mit Wasser zu versorgen. Allerdings war der Brunnen wenig ergiebig. So wurde er aufgegeben und als Müllschacht genutzt.

Mittlerweile ist der Schacht leer geräumt. Neben Scherben fand man dort auch Waffen, die wohl nach einer kriegerischen Auseinandersetzung entsorgt wurden. 

Viele Mythen und Sagen wurden zu diesem Ort erzählt. So unter anderem sei er durch Heiden gegraben worden, der Satan lebe darin oder mystische Wesen steigen aus ihm hervor.

Auf dem Rückweg wurde ich richtig nass. Trotzdem war es ein guter Tag. Die Wanderung war anstrengend, aber lohnenswert. In der Altstadt zurück begab ich mich direkt zum Auto und fuhr wieder zum Campingplatz. 

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Kommentare

Ingeborg Mackamul
Vor 8 Tage

Deine Heidelberg Tour hast du sehr schön
beschrieben. Immer wieder eine Reise wert 👋. Die schöne Landschaft, das gute Essen und noch vieles mehr…..



hast du sehr schön beschrieben.