Der heutige Tag sollte uns auf den Tafelberg führen. Die App sagte am Morgen, das die Seilbahn fährt und gute Bedingungen wären. Also hatte ich schnell den Fastpass gebucht, um Wartezeiten zu vermeiden. Wir starteten rechtzeitig. Direkt nach der Auffahrt auf die Autobahn N2 gab es einen Stau. An dieser Stelle war das unerwartet und ungewöhnlich. Als uns noch Einsatzfahrzeuge der Feuerwehr und der Polizei überholten, war uns schnell klar: hier ist etwas passiert.
Nach etwa 20 Minuten waren wir dann auch an der Einsatzstelle. Ein PKW Brand, kein Unfall. Personen schienen nicht zu Schaden gekommen zu sein. Von dort ging es ohne Störung weiter.
Am untersten Parkplatz der Tafelberg Road stellten wir den Wagen ab und nutzten den Shuttlebus. Endlich am Ziel sagte man uns, die Seilbahn hätte den Betrieb eingestellt. Es sei zu windig. Mit einer Besserung sei vorerst nicht zu rechnen. Das Geld könne ich bequem über die App zurückbuchen. In digitalen Dingen ist man hier verdammt weit. Wir brachen ab und ich machte Inge einige Vorschläge für alternative Unternehmungen. Sie entschied sich für den Besuch eines Weinguts in Stellenbosch. Also ging es wieder zurück.
Stellenbosch ist eine Universitätsstadt und liegt ganz in der Nähe von Somerset West. Das Weingut Delheim hat seinen Ursprung auf einer Farm, auf der anfangs nur Obstbäume und Krüppelholz wuchsen. Sie wurde bereits 1699 erstmalig erwähnt. Im Jahr 1938 kaufte der Deutsche Hans Hoheisen die Farm als Altersruhesitz für sich und seine Frau Deli. Nach seiner Frau benannte er auch die Farm: Delheim – Deli’s Heim. Ab 1940 begannen sie Weinstöcke anzupflanzen. Hoheisens Neffe Michael Sperling übernahm 1957 das Weingut komplett. Michael Sperling genannt „Spatz“ führte das Weingut zu weltweitem Ruhm. Es zählt heute zu den renommiertesten Weingütern in der Region Stellenbosch und ist auch in Deutschland ein Begriff.
Wir hatten Hunger und starteten unseren Besuch im dortigen Restaurant. Inge und ich entschieden uns für das gleiche Gericht, ein Hühnchen Curry nach Kap Malayen Art. Die deutsche Bratwurst ignorierten wir. Anschließend machte Inge ein Tasting mit fünf ausgesuchten Weinen. Ich musste verzichten, denn in Südafrika gibt es neuerdings die 0,0 Promille Grenze für Fahrer. Dafür besichtigte ich den historischen Weinkeller. Am Ende bestellte ich eine Kiste Pinotage und zwei Flaschen Spatzendreck (Dessertwein). Diese werden pünktlich nach meinem Urlaub nach Hause geliefert. Ein Spaziergang durch den Garten rundete das Erlebnis ab.
Auf dem Rückweg zur Unterkunft machten wir einen kurzen Stopp in dem historischen "Oom Samie Se Winkel" (Onkel Samies Laden). Das ist eines der ältesten Handelsgeschäfte in Stellenbosch und ein absolutes Muss für jeden Besucher. Das Geschäft führt die Tradition des ländlichen Handelspostens fort und bietet alles von Strohbesen über handgefertigte Kleidung bis hin zu einer Auswahl südafrikanischer Gewürze und Tees sowie Kunsthandwerk.
Hier kaufte ich ein paar Kleinigkeiten. Nun ging es noch einmal zu einem Geldautomaten. Denn für den nächsten Tag steht der Besuch eines Waisenhauses an. Dies liegt in dem ältesten Township von Kapstadt, wo wir morgen sein werden. Dort werden wir Geld spenden. Und zwar Spenden von meiner Nachbarin in Deutschland, ihrer Tochter und von uns.