Fahrt nach Kap Agulhas (L'Agulhas)

Veröffentlicht am 19. November 2025 um 06:45

Der 66ste Geburtstag war da. Zum Frühstück gab es ein Ständchen vom Personal. Das war für mich und einen weiteren Gast, der 76 Jahre alt wurde. Das war eine schöne Geste. Von Joerg, der das Waisenhaus im Township Langa ins Leben gerufen hatte, kam auch ein Gruß. Er hat auch am gleichen Tag Geburtstag wie ich. Also gratulierten wir uns gegenseitig und die Kinder aus dem Waisenhaus sangen auch "Happy Birthday", das schickte mir Joerg per WhatsApp.

Für unser Zwischenziel mussten wir die geteerten Straßen verlassen und über eine Gravelroad fahren. Wir fuhren nach Elim, einem sehr religiösen und spirituellen Ort.

Elim ist eine kleine Ortschaft, die 1824 von Ordensbrüdern des Mährischen Missionsordens (Herrenhuther) unter der Leitung von Hans Peter Hallbeck gegründet wurde. Hallbeck legte damals als erstes das Motto fest: „Penibel, sauber, produktiv sein“. Die Ordensgemeinschaft hat dem kleinen Ort eine überdimensional große Kirche mit sehr guter Orgel beschert. Die Akustik in der Kirche ist einzigartig, da teils Tropenhölzer von alten Schiffen beim Bau verwendet wurden und diese „gut mitschwingen“. Der kleine Ort rühmt sich, die älteste Kirchenuhr Südafrikas zu besitzen.

Kleine reetgedeckte Häuser säumen die parallelen Dorfstraßen in einer jeweils langen, nahezu ununterbrochenen Reihe. Das ganze Dorf steht unter Denkmalschutz. Alle 1.900 Bewohner von Elim gehören heute noch dem deutschen Orden an. Elims Handwerker sind für erstklassige Reetdächer bekannt, ihre Arbeit ist international gefragt. Ein Handwerk, das Missionare aus Deutschland hierhin brachten.

Die Kirche war geschlossen. Im Heimatmuseum sprach ich eine Frau an, die dann sofort das Museum abschloss und uns zur Kirche begleitete. Wir bekamen so ganz spontan eine individuelle Führung.

Hinter der Kirche befindet sich ein biblischer Garten mit dem Labyrinth der Dankbarkeit. Auf früheren Reisen war Uschi sehr angetan von diesem Ort und hatte ihn für eine Meditation genutzt. In ihrem Sinne bin ich das Labyrinth dann noch einmal abgeschritten. 

Danach schauten wir uns die Ausstellung im Heimatmuseum an. Hier ging es nicht nur um das damalige einfache Leben sondern auch um die dunkle Zeit der Sklaverei.

Jetzt folgte die letzte Fahrt für den Tag. Ersteinmal steuerte ich den Hafen von Struisbaai an. Nach einem kurzen Stück Regionalstraße folgte wieder eine unbefestigte Straße.

Den Hafen von Struisbaai wollte ich in den nächsten Tagen öfter anfahren. Es gibt dort ein sehr gutes Restaurant mit dem frischesten Fisch. Und es gibt Parrie, den Stachelrochen. In den letzten Jahren hatte ich nie das Glück, ihn und seine Artgenossen dort zu sehen. Parrie hat sogar eine eigene Seite auf Facebook.

Diesmal hatte ich direkt beim ersten Versuch Glück. Fischerboote entluden gerade den frischen Fang. Und so waren auch direkt drei Stachelrochen am Ufer.

Nach einem Bier und einer Cola fuhren wir noch das kurze Stück bis zur nächsten Unterkunft. Durch die Gastgeberin Hillary wurde ich sehr herzlich begrüßt. Wir kennen uns seit mehr als zehn Jahren. Sie entschuldigte sich dafür, dass mein Lieblingszimmer bereits vergeben war. Als mein Name im Buchungsportal aufploppte sei es zu spät gewesen. Das nächste mal solle ich per WhatsApp direkt bei ihr buchen.

Nun waren wir am südlichsten Punkt des afrikanischen Kontinents angekommen. Hier ringt ein Superlativ nach dem anderen um Aufmerksamkeit. Der südlichste Leuchtturm, das südlichste Café, der südlichste Shop und vieles mehr. Am Abend feierten wir meinen südlichsten Geburtstag bei einem Italiener, wahrscheinlich auch der südlichste Italiener in ganz Afrika.

Kommentar hinzufügen

Kommentare

Birgit Schulz
Vor einem Monat

So tolle Berichterstattung! Und sehr gut wiedergegebenes Wissen. Das macht Lust auf mehr, LG Birgit

Danny
Vor einem Monat

Ich kann Monika da nur Recht geben👍. Finde es immer schade, wenn der Tagesbericht zu Ende ist. Deine Texte lesen sich, wie ich dir ja schon ganz oft gesagt habe, total schön und macht immer Lust auf mehr. In diesem Sinne, lieber Acor, freue ich mich auf morgen. 😃✌️

Lautenbach Monika
Vor einem Monat

Deine Berichte sind so toll ich könnte stundenlang weiter lesen.

Sabine Holfert
Vor einem Monat

Wunderbar beschrieben und sehr schöne Fotos.