Nach dem Abholen der Wäsche und dem Kofferpacken ging es um 10:30 Uhr los. Etwa 350 Kilometer lagen vor uns. Nach weniger als fünf Kilometern gab es eine Polizeikontrolle. Man wollte den Führerschein sehen. Beim Übergeben der Plastikkarte bot ich an, auch den Internationalen Führerschein rauszusuchen. Das wollte die freundliche Polizistin aber nicht sehen. Sie machte eine Eintragung in ihre Unterlagen, gab den Führerschein zurück und wünschte uns eine gute Fahrt.
Die ersten Kilometer führten uns nach Swellendam. Hier wurde getankt und der Reifendruck korrigiert. Irgendwas stimmt mit dem linken Hinterreifen nicht. Das werde ich im Auge behalten und bei Gelegenheit fixen lassen. Wenn es ein Loch ist, wird hier regelmäßig ein Gummistopfen eingeklebt.
Wir hätten hier auch eine Rast einlegen können, doch an der Route 62 gibt es viele kleine verträumte Restaurants. Das ist schöner als ein Café bei einer Tanke. Es ging ein winziges Stück auf der Autobahn weiter. Und zwar in Richtung Heidelberg, nur etwa 60 Kilometer entfernt. Heute nicht, da kommen wir später einmal durch. Nach nur wenigen Kilometern ging es in eine wunderschöne Passstraße, die uns zur Route 62 führte. Hier legten wir ein paar Fotostopps ein.
Kurze Zeit später war die Route 62 erreicht. Es wurde schon deutlich wärmer. Denn hier befinden wir uns in der Halbwüste Klein Karoo. Bei Barrydale reiht sich ein Shop und ein Restaurant an das nächste. Alles ist so schön bunt, auch die Natur. Denn hier liegt man noch in einem kleinen Tal mit ausreichend Wasser.
Schnell entschieden wir uns für ein schnuckeliges Restaurant. Das kannte ich noch nicht, aber Enttäuschungen waren nicht zu erwarten. Wir genehmigten uns einen frisch zubereiteten Burger ohne Beilagen. Nur eine Kleinigkeit, die bis zum Abendessen halten musste.
Nächster Halt Ronnys Sex Shop. Wer meinen alten Blog verfolgt hat ist hier bereits im Bild (www.familytoursuedafrika2024.de). Mittlerweile findet man diesen Hinweis auch in Reiseführern. Ronny ist ein Urgestein der Route 62. Er ist mit einer Frau aus dem deutschen Heidelberg verheiratet.
Der Erzählung nach hatte er früher, das ist schon Jahrzehnte her, einen kleinen Shop mitten im nirgendwo. Hier konnten sich Landarbeiter nach der Arbeit mit dem Nötigsten versorgen, natürlich auch mit eisgekühltem Bier. In roten Lettern war draußen weithin sichtbar "Ronnys Shop" aufgemalt. Man sagt, dass hier jemand spaßeshalber nach einer durchzechten Nacht das Wort "Sex" ergänzt hätte. So zog Ronnys Sex Shop mit der Zeit immer mehr Neugierige an. Die Gäste verzierten die Räume im Laufe der Jahre mit BHs, Slips, T-Shirts, Promis pinnten Autogrammkarten an, andere ihre Visitenkarten.
Ronny war diesmal sogar persönlich anwesend. Sonst kümmert sich sein Sohn um alles. Beim Betreten der Bar bemerkte ich sofort, dass ich ihm (dem Sohn) bekannt vorkam. Aber bei den Tausenden von Touris, die hier einen kurzen Stopp einlegen, konnte er das nicht sortieren. Ronny fragte, ob ich ein Bier wolle. Beim Bier unterhielt ich mich mehr mit dem Sohn. Er hat eine schwerkranke Tochter. Ihre Krebsbehandlung kostet der Familie viel Energie und Geld. In unserem Reiseforum auf Facebook (Südafrika Reise Forum) gab es mal einen Spendenaufruf.
Über das Schicksal seiner Tochter sagte er wenig. Aber Spenden würde er nicht mehr sammeln. Ich hatte auch gelesen, dass Ronny seine Bar verkauft. Ein Käufer war noch nicht gefunden. Es bleibt abzuwarten, wie es hier weiter geht. Vielleicht war das mein letzter Besuch dort.
Die Autogrammkarte von Götz George stammt wahrscheinlich aus der Zeit, als er einmal zusammen mit Senta Berger einen Film in der Nähe gedreht hatte.
Nach dem kühlen Bier ging es weiter Richtung Oudtshoorn. Die 30 Grad Marke wurde geknackt. Wir kamen auf 32 Grad. Im Auto merkten wir nichts davon, aber beim Aussteigen war es immer wie ein Schlag.
An einem weiteren Pass machten wir noch einen Fotostopp. Die Fahrt über diese Straße ist sowas von entspannt. Keine Staus und wenig Verkehr. Teilweise kam uns minutenlang niemand entgegen.
Gegen 16:00 Uhr waren wir am Ziel. Diese Unterkunft ist eine gute gepflegte Anlage mit eigenem Restaurant. Ich hatte sie bereits 2024 gebucht, weil für den damals 6jährigen Noah einiges geboten wurde. Die Anlage ist auf Familien ausgerichtet. Es gibt einen großen Spielplatz, eine Zipline für Kinder, einen Streichelzoo und auch Strauße in verschiedenen Altersstufen. Vom Jungtier bis zum erwachsenen Tier. Fast auch zum Anfassen. Der Besuch auf einer Touristenfarm erübrigt sich somit.
Beim Futtern sind sie so schnell, dass das Handy kaum mitkommt. Und einer war so vorwitzig und schnappte immer nach dem glitzernden Mobiltelefon. Dabei zwackte er mich ein paarmal in die Hand.
Den Abend ließen wir im Restaurant ausklingen. Für einen Rundgang über das Gelände waren wir zu müde und zogen uns dann zum Schlafen zurück. Am Folgetag wird die Gegend erkundet.
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