"Oh Tannenbaum, Oh Tannenbaum" bei deutlichen Plusgraden aus dem Radio zu hören ist schon seltsam. Und dann noch in Africaans. Nichts verstanden, doch die Melodie war ein Ohrwurm.
Der Wecker sollte mich um 04:00 Uhr wecken. Seit drei Uhr lag ich wach. Deutsche Zeit Zwei Uhr. Die Erdmännchentour war gebucht. Beginn ist immer um den Sonnenaufgang herum. Und das im Urlaub. Ich bin ja mehr für die Sonnenuntergänge zuständig ;-)
Diesmal gab es einen Sonnenaufgang am Treffpunkt. Die Tour vom Vortag war ausgefallen. Es hatte geregnet und darum blieben die Erdmännchen in ihrer Höhle. Diese Gruppe bekam eine neue Chance und so waren wir 32 Teilnehmer, verteilt auf zwei Jeeps. Inge und ich waren auf dem Jeep von Johann, den wir bereits kannten. Johann ist Südafrikaner und stammt aus Kapstadt. Er liebt die Natur und die Tiere und das Leben an seinem Geburtsort war ihm zu hektisch. Darum lebt er jetzt hier.
Am Treffpunkt gab es Kaffee und Hartgebäck. Kurz nach Sonnenaufgang ging es dann los. Von einer früheren Tour wusste ich, dass es mehrere Höhlen gibt. Johann wusste genau, wo sich das Warten lohnt. Mit zwei Jeeps standen wir dann an einem Bau mit mehreren Ausgängen.
Zuerst erblickten wir eine Mongoose Familie (Mangusten). Sie hatten ihren Unterschlupf anscheinend in der Nähe der Erdmännchen. Und ein Elterntier hatte in der Frühe bereits Beute gemacht und kam mit einer Maus im Maul zurück.
Dann ging es endlich los. Auch die Erdmännchen kamen aus dem Bau. Johann sagte, dass sie durch die Wärme der Morgensonne und durch das Licht in ihren Bau aktiv werden. Erst kam ein Wächter und nach und nach waren es sechs Tiere. Davon drei Jungtiere im Alter von drei bis vier Monaten. Die Jungtiere käbbelten viel miteinander.
Das frühe Aufstehen hatte sich gelohnt. Es ging zurück zur Unterkunft, wo wir unser Gepäck ins Auto luden und dann zum Frühstück gingen. Gestärkt fuhren wir dann in die Stadt Oudtshoorn, um zu tanken und wieder Luft in den linken Hinterreifen zu pumpen. Das letzte Nachfüllen hatte gerade mal für den vorherigen Abend gereicht. Über Nacht war der Luftdruck wieder gesunken. An der Tanke mussten 1.1 Bar nachgefüllt werden. Das Problem muss noch heute gelöst werden, sonst stehen wir irgendwann in der Pampa und müssen das Notrad montieren.
Ich hatte eine Versicherung abgeschlossen, die auch den Reifenschutz beinhaltete, das ist bei Anmietungen hier besonders wichtig. Am Nachmittag wollte ich erstmal Kontakt mit der Agentur aufnehmen. Sie sind über einen deutschsprachigen WhatsApp Kanal erreichbar.
Doch nun ging es erstmal in Richtung Knysna. Wieder über eine traumhafte und gut ausgebaute Passstraße. Hoffentlich hält der Reifen durch, Die Abstände zur jeweils nächsten Befüllung wurden immer kürzer. Da kam mir eine neue Idee, Wir waren zwei Stunden vor dem Check In in Knysna angekommen und ich machte mich auf die Suche nach einem Reifenservice. Vielleicht könnte ich das auf eigene Kosten regeln. Denn was immer die Agentur vorschlägt, dass ginge immer von unserer Zeit ab.
Eine Werkstatt war schnell gefunden. Und jetzt kommt der Hammer, was Servicefreundlichkeit angeht. Kein Vergleich zu Deutschland. Ich steuerte den T-Roc auf den Vorplatz. Ich hatte den Motor noch nicht ausgestellt, da stand schon jemand am Wagen und fragte, womit er helfen könne. Kein Termin, einfach so. Die Halle war voll mit anderen Pkw, zu tun hatten sie eigentlich genug.
Ich schilderte das Problem. Der Mann tastete kurz den Reifen ab, auch er konnte so nichts entdecken. Ich musste unser Gepäck ausräumen, damit er an das Zusatzteil zur Entriegelung des Felgenschlosses kam. Er holte sein Werkzeug und einen Wagenheber. Dann ging alles Ratz Fatz.
Er warf den Reifen in ein Wasserbad und lokalisierte die Stelle. Das Loch wurde etwas vergrößert und ein Stopfen eingeklebt. Danach montierte er den Reifen wieder und zeigte mir, wo ich bezahlen musste. Ich war Happy und gab ihm ein angemessenes Trinkgeld. An der Kasse bezahlte ich 120 Rand, das sind etwa 6 Euro! Die ganze Aktion war mit Ausladen und Einräumen in 20 Minuten erledigt. Ich möchte nicht wissen, wieviel Zeit und Geld ich in Deutschland hätte verplempern müssen.
Wir hatten noch viel Zeit übrig und machten so eine kleine Stadtrundfahrt. Die Lagune von Knysna ist für Boote über eine schmale Passage zu erreichen. Links und rechts der Zufahrt befinden sie die sogenannten Knysna Heads. Der linke ist mit dem Auto zu erreichen und bietet eine traumhafte Aussicht auf die Lagunenstadt und das Meer.
Der Wächter am Parkplatz ist noch der gleiche Mann wie im Vorjahr. Er hatte damals für Lotti getanzt. Ich soll sie schön grüßen von ihm ;-)
Untergekommen waren wir in der Oyster Creek Lodge, einem komplett aus Holz gebautem Haus. Man hat einen tollen Blick auf die Lagune und der Inhaber versprach uns tolle Sonnenauf- und untergänge. Beides war von der Veranda aus zu sehen.
Mit einem Taxi fuhren wir zur Waterfront, wo wir zunächst einen Rundgang machten. Den Abend verbrachten wir in meinem Lieblingslokal "34 Degrees South". Pünktlich zum Sonnenuntergang waren wir wieder zurück. Für den nächsten Tag hatte ich eine Tour zum rechten Knysna Head gebucht. Dieser Bereich ist geschützt und nur im Rahmen einer Führung zu erreichen. Das wird auch für mich neu sein.
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Traumhaft schöne Bilder