Für die Region rund um Knysna hatte ich noch fünf Ziele als MustDo und ein paar unbedeutendere als Alternative im Köcher. Geschafft haben wir zumindest drei. Es ist ja Urlaub und kein Hochleistungssport.
Der erste Weg führte uns in den Knysna Elephant Park. Meine Stimmung war sehr gemischt, denn hier hatte ich meiner Frau Uschi 2017 den Antrag gemacht. Und im letzten Jahr war ich nochmal mit Uschi, Lotti und Noah dort. Doch heute ging es um Inge. Sie sollte das gesehen haben, worüber so oft gesprochen wurde.
Es gibt dort sechs Elefanten, die auf einem riesigen Gelände friedlich und bestens versorgt gemeinsam mit ein paar Zebras leben. Die Tiere sind als kranke Babies dort angekommen. Teilweise haben sie 24 Stunden Intensivpflege benötigt. Sally jedoch kam als gesundes Jungtier dort hin. Sie ist mittlerweile die Leitkuh der kleinen Herde. Sally stammt aus dem Kruger (Krüger Nationalpark). Während einer Überpopulation mussten Elefanten geschossen werden, das sogenannte Culling (Keulung). Ein Ehepaar rettete zwei Tiere und siedelte sie hier an. Harry und Sally, nach einem Filmtitel benannt, wuchsen hier auf. Harry wechselte später in ein anderes Zuhause, Sally blieb und ist jetzt die Chefin.
Sie leben heute in diesem Park und sind an Menschen gewöhnt. Dennoch wird man darauf hingewiesen, achtsam mit den Tieren umzugehen, denn es sind immer noch Wildtiere. Sämtliche Aktivitäten, die nicht artgerecht sind, finden dort nicht statt. Alles beschränkt sich auf Füttern und Beobachten.
Am Anfang der Tour kann man einen Eimer mit Futter erwerben. Zunächst wird ein kurzes Video über die Geschichte des Parks und mit Sicherheitshinweisen gezeigt. Dann wird man zu den Tieren gefahren. Die Elefanten bewegen sich frei. Wir Zuschauer mussten immer in der Nähe der Guides bleiben. Keine hektischen Bewegungen, keine Kontaktaufnahme mit den Händen und auf keinen Fall knien. Auch nicht, wenn etwas runter fällt und man es aufheben möchte.
Wir hatten nur einen Eimer mit Futter gekauft. Den sollte Inge verfüttern. Ich war für die Fotos zuständig. Inge war enttäuscht, denn ihr Eimer war viel zu schnell leer. War der Eimer leer, verloren die Tiere schlagartig das Interesse an uns und zogen weiter. Für die Fotos folgten wir ihnen, immer behütet vom Guide Kuda.
Als die nächste Gruppe angefahren kam, konnten wir frei entscheiden: bleiben oder zurück zum Haupthaus. Ich hatte noch eine größere Strecke im Sinn, also lieber fahren. Dann überraschte mich Inge mit der Frage: "Gibt es auch was mit Schlangen?". Sie hatte wohl zu viel auf meinem YouTube Kanal gestöbert. Also gab es eine kleine Planänderung. Auf zur Lawnwood Snake Sanctuary.
Am besten beschreibt man diesen Ort als Reptilienzoo. Sie haben überwiegend Schlangen, aber auch ein paar Echsen. Sie haben Tiere, die weltweit vorkommen aber eben auch speziell in Südafrika. Als wir uns am Empfang meldeten, war es wieder wie so oft in Südafrika. Es gab wenig Betrieb, also keine Besucher. Ich fragte, wann die nächste Tour beginnt. Die Antwort war: "Jetzt!" Wir bekamen eine sehr individuelle Führung von mehr als einer Stunde. Von Station zu Station erklärte er uns die zu sehenden Tiere. Er gab auch Verhaltenstipps bei der Begegnung der unterschiedlichen Arten. Der junge Mann liebte seinen Job und die Vielfalt der Schlangen waren seine Welt. Die Zeit ging rum wie nichts.
Mir ist unverständlich, warum hier so wenige Besucher sind. Das Personal ist total hilfreich und bemüht, ihre Arbeit und die verschiedenen Tiere näher zu bringen. Sie bieten eine unterhaltsame und lehrreiche Lektion für wenig Geld. Vielleicht machen sie zu wenig Reklame für das, was sie tun.
Ich gab dem Guide noch den Hinweis, Inges Rucksack zu kontrollieren. Sie war so Hin und Weg bei den Tieren. Doch das war scherzhaft gemeint.
Übrigens helfen sie auch bei Notrufen aus und fangen Tiere ein, die am falschen Ort sind. Zum Beispiel wenn sie in Wohnungen eingedrungen sind und so weiter.
Es ging weiter über die N2 zum Tsitsikamma Nationalpark. Hier hatte ich eine kleine Wanderung geplant. Auf dem Weg machten wir mehrere ungeplante und einen geplanten Stopp. Die ungeplanten Stopps waren ein schwerer Unfall und drei Baustellen. Die N2 wird gerade saniert. Der geplante Stopp führte uns zur Bloukrans Bridge. Mit 216 Metern die höchste Brücke Afrikas. Somit wird hier auch der höchste Bungee Sprung angeboten. Mein Mut reichte immer noch nicht aus. Immerhin genossen wir drei Absprünge als Zuschauer.
Noch eine Baustelle später erreichten wir die Abfahrt zum Tsitiskamma Nationalpark. Hier wanderten wir den Mouth Trail, einen Wanderweg zu drei Hängebrücken. Die kleineren Zwei waren wegen Renovierung geschlossen. Auf der größeren Brücke gingen wir zum anderen Ufer des Storms River.
Jetzt waren wir hungrig. Egal wo wir einkehren wollten auf der Rückfahrt, alle guten Restaurants waren bestimmt ausgebucht. Zum Diner ist immer alles voll. Hier im Park gab es aber noch den Cattle Baron mit sehr guter Küche. Auf dem Weg zum Auto sahen wir noch viele freie Tische. Nichts wie hin!
Es hatte sich gelohnt. Egal wo man in Südafrika einkehrt, es ist einfach mega! Im Hintergrund tobt das Meer, was für eine Kulisse.
Mit vollem Bauch ging es auf die fast 100 Kilometer zurück. Die Baustellen waren fast alle weg. Die sind aber fix hier. Überall neuer Belag. Einmal mussten wir das Tempo drosseln, da wurde schon die Fahrbahnmarkierung aufgebracht. Wouw, geht das schnell hier. Und das noch nach 18:00 Uhr.
Hinter Plett, so wird hier die Küstenstadt Plettenberg Bay genannt, lief mir ein Pavian vor das Auto. Bei erlaubten 100 km/h hatte ich 90 im Tempomat eingestellt. Das Tier hatte keine Chance. Und ich auch nicht, um das zu verhindern. Die Autobahnen in Südafrika werden anders genutzt. Hier laufen ständig Menschen drüber, Fahrradfahrer und Tiere nutzen den viel zu schmalen Seitenstreifen. Und auch Wildtiere, wie etwa Paviane, sind häufig anzutreffen. Oft erkennt man sie rechtzeitig, weil sie in Gruppen sind. Hier war es ein junges Einzeltier. Es war plötzlich da, Bremsen oder Ausweichen war nicht möglich. Da der Wagen keine Beschädigung aufwies könnte es durchaus sein, dass er es geschafft hat. Im Rückspiegel war nichts zu sehen. Anhalten ging leider nicht. Wir waren richtig erschrocken und das Erlebnis hat uns noch lange beschäftigt.
Morgen geht es weiter Richtung Port Elisabeth. Das sind etwa 350 Kilometer. Und dann werden wir in der Nähe des Addo Elephant Parks sein, dem Park mit der größten Elefantenpopulation. Ich freue mich. Und da es morgen ein Reisetag sein wird, kommt der Blog schon heute.
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Kommentare
Ein eindrucksvoller Bericht zum gestrigen Tag. Tolle Fotos. Weiterhin einen schönen Urlaub und gutes Wetter.
Hey Acor, liebe Grüße aus dem verregneten Moers.
So schöne Bilder von den Elefanten, mir war nicht bekannt, dass diese tollen hochintelligenten Tiere bei Überpopulation entnommen werden, aber das ist ja auch schon ewig lange her. Einen lieben Gruß unbekannterweise an Inge, mutig, ich hätte keine Schlange angefasst. Was war die Letztere für eine?
Und hoffentlich hat es der Pavian geschafft🙏
Wieder einmal interessanter Bericht 😘
Ein erlebnisreicher Tag, der wunderbar beschrieben ist. Tolle Fotos.