Township Tour zu Sylvester

Veröffentlicht am 2. Januar 2026 um 06:38

Ein MustDo für die junge Familie war der Besuch des Waisenhauses und des Townships. Jörg, der Gründer des Heims, war über den Jahreswechsel in seiner Heimat. Odwa bot uns zwei Termine an. Wir entschieden uns für den Sylvestertag. Madeleine hatte einen Beutel mit Stofftieren dabei, die nun bei anderen Kindern ein neues Zuhause finden sollten.

Wir waren pünktlich vor der Zeit am Treffpunkt, dem Community Center von Langa. "Ihr seid Deutsche, ihr seit immer zu früh dran", spottete ein anderer Guide, als wir uns zum Warten hinsetzen. Wir waren für 10 Uhr verabredet. Auch nach einer Viertelstunde erschien Odwa nicht. Wir bekamen viele Angebote, dass man ihn anrufen wolle. Ich schrieb ihm eine WhatsApp. Er sei auf dem Weg, schrieb er zurück. Es vergingen weitere 20 Minuten, bis auch er am Treffpunkt war. Nassgeschwitzt und außer Atem. Er entschuldigte sich für die Verspätung. Er sei direkt vom Krankenhaus hergekommen. Ein Familienmitglied sei gerade eingeliefert worden. Man konnte ihm die Sorgen ansehen und anmerken. Er wollte unsere Tour trotzdem machen.

 

Für mich war es die dritte Tour dieser Art. Was es mit dem Township Langa auf sich hat und wie diese Tour ablief, ist für viele Mitleser eine Wiederholung. Darum schreibe ich nur von den Besonderheiten. Am Ende folgt ein Link zu meinem früheren Bericht über Langa. 

Wir trafen auf so viele Gegensätze und soviel Unerwartetes. Dieser ganze Unrat, die beengten Wohnverhältnisse, die deutlich spürbare Armut und doch kein böses oder ärgerlich es Wort. Die Menschen strahlten eine Fröhlichkeit aus, die wir Zuhause im Wohlstand oft vermissen. Wie ich schon einmal schrieb, diese Menschen wollen gesehen werden und zeigten uns tiefe Einblicke in ihr Leben.

 

Odwa führte uns zu unserem Auto zurück und mit dem Wagen fuhren wir durch Bereiche, die wir allein nie aufgesucht hätten. Es war eine Mischung aus gemauerten Häusern und zurechtgezimmerten Wellblechhütten. Alles dicht an dicht, überall Müll und Ratten. Wenn es hier einmal brennt, verlieren direkt mehrere Familien alles. Und das ist ohnehin nicht viel.

Nun steuerten wir das Waisenhaus an. Unmittelbar vor uns war ein PickUp eines privaten Sicherheitsdienstes angekommen. Zwei schwer bewaffnete Männer sicherten das Gelände. Eine Gruppe junger Menschen hatte Spenden für das Heim eingekauft. Odwa erklärte dass eine Highschool in Kooperation mit Woolworth eine Aktion für das Waisenhaus gemacht hatte. Und damit alles sicher ankommt, stellten sie auch den Sicherheitsdienst. Ich war mir sicher, die Ware wäre auch so unbeschadet angekommen. Es gibt Gangs, die Sicherheit gegen Schutzgeld bieten. Das Waisenhaus ist außen vor. Sie müssen nichts zahlen.

Digitale Nomaden nannten sich die jungen Leute. Es ging alles kurz und heftig zu. Sie trugen ihre Spenden rein und machten jede Menge Selfies von sich mit den Kindern. Und genauso schnell waren sie wieder weg. Madeleines Spende an Kuscheltieren ging da total unter. Aber besser so, als keine Spenden.

Wir tranken noch einen Tee und fuhren dann zur Waterfront von Kapstadt. Hier wollten wir eigentlich Essen gehen. An diesem Sylvestertag bereitete sich die Waterfront auf ein großes pektakel vor. Überall standen zusätzliche Musikbühnen. Jetzt schon, am Mittag, war es brechend voll. Es war auch verdammt laut. Musikproben und die große Anzahl an Menschen sorgten für eine fast unerträgliche Geräuschkulisse. Wir kehrten für eine Erfrischung ein und machten uns wieder aus dem Staub. Wir kommen an einem ruhigeren Tag zurück.

Es ging zum Bloubergstrand, dort zum bekannten "Blue Peter". Da war es auch voll, doch wir konnten einen Platz ergattern und gut Essen. Die Frage war, wo wir den Jahreswechsel verbringen. Hier mit der Kulisse oder in der Lodge. Wir entschieden uns für einen kurzen Strandbesuch und machten uns dann auf den Heimweg. Der Tafelberg sah toll aus in der Lichtstimmung mit den darüberliegenden Wolken.

 

Es wurde zwar abgeraten, die N2 nachts zu nutzen. Wir waren kurz nach Anbruch der Dunkelheit unterwegs und schwammen im Verkehrsstrom zurück bis nach Somerset West. Nach Mitternacht wäre es gefährlicher gewesen - Steinwürfe auf Autos oder Smash & Grab Angriffe (Scheibe einwerfen und Dinge aus dem Auto reißen).

Um Mitternacht gab es kaum Feuerwerk. Das liegt an den strengen Gesetzen. Privatleuten ist es fast unmöglich, sich Böller zu kaufen. So gibt es an ausgewählten Orten offizielles Feuerwerk. In der Nachbarschaft bleib es ruhig.

Jetzt folgt noch der Link zum früheren Bericht über das Township Langa.

https://www.acorblog.de/2822419_besuch-des-townships-und-des-waisenhauses

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